#CBG17-Fahrer-Bericht: #18 Kay T.

Endlich komme ich dazu, solche Mails weiterzureichen:
„Ich sitze gerade im FlixBus, der mich durch den Regen zurück nach Frankfurt bringen wird. Erst jetzt wird mir so richtig bewusst, was für ein saumäßiges Glück wir mit dem Wetter hatten. Nicht ein einziger Regentropfen während des #candybgravellers.
Aber der Reihe nach: Die Strecke war mitunter recht anspruchsvoll, aber zu mehr als 99% fahrbar. Der Untergrund bot alles von der fein geschotterten Waldautobahn über Sandpisten, die das Spurhalten zur Glückssache machten und einen das letzte Quentchen Kraft aus den Beinen saugten, bis hin zu praktisch nicht erkennbaren Wegen durchs Unterholz, bei denen man einfach blind dem Navi vertrauen musste. Oft wurde man aber dafür mit fantastischen Aus- und Weitblicken belohnt. Die Region um den Naturpark Hainich, bis rüber zum Kyffhäuser war diesbezüglich wirklich herausragend.
Ich war mental darauf eingestellt, die komplette Strecke allein zu fahren, aber es sollte anders kommen. Nach etwa 100 Km traf ich auf Bernd den Candy-Grafiker, mit dem ich schon mal vor drei Wochen nach Heidelberg, zur #Fahrstil Klubhaus-Eröffnung gefahren bin. Er hatte bereit ein Prima Nachtlager gefunden und noch Platz unterm Vordach. Am nächsten morgen gabelten wir dann noch Josch und Justus auf. Irgendwie passte es woh ganz gut und wir blieben für die folgende Zeit ein Team.
Justus hatte schon nach 60km eine krasse Panne: das Schaltwerk war aus dem Gewinde gerissen und das Schaltauge irreparabel verbogen. Aber irgendwie, mit viel Kreativität haben Josch und Justus das Rad dann notdürftig wieder zusammen geflickt und so konnte Justus seine Fahrt nach Berlin fortsetzen -mit nur einem Gang!
Auch Walter Lauter und seiner Truppe, sind wir immer wieder begegnet. So ging es dann im großen Verband über Point Alpha runter nach Pferdsdorf im Ulstertal. Die Gemeinde hatte bereits ein riesiges Maifeuer entzündet, grillte fleissig Bratwürste und schank Bier aus.
Eigentlich wollte ich dort nur kurz halten, was futtern und dann weiter …, aber dafür war es dann doch zu schön. Eine strategisch eher unkluge Entscheidung, die aber durch ihren Erlebnisswert mehr als wett gemacht wurde.
So standen wir also gemeinsam mit den Dorfbewohnern am Feuer und kamen schnell ins Gespräch: wo wir herkämen, wie lang, wie weit, wohin und warum wir fahren würden- und wo wir zu schlafen gedachten. Lage Rede, kurzer Sinn, ruckzuck hatte Walter das Sanitätszelt der freiwilligen Feuerwehr für uns klar gemacht. Platz für alle Fahrer die Räder. Perfekt!
Am nächsten morgen, nach einer echt frostigen Nacht, ging’s dann schnurstracks ins ca.10 Km entfernte Örtchen Phillipsthal zur Bäckerei Gerlach, wo man bereits von uns wusste und uns erwartete. Das Frühstück war superlecker und unter der Woche macht die Bäckerei bereit um 5:00 auf!
So kamen wir also am dritten Tag erst relativ spät ins Rollen und machten uns auf den Weg Richtung Nationalpark Hainich, dem höchsten Punkt der Strecke. Ganz oben gibt es ein uriges Ausflugslokal. Wie gemacht für die Mittagspause. Aber leider war der Besucheransturm dermaßen groß, das die Bedienung kaum damit klar kam. Das Resultat: 1:30 h für eine Kartoffelsuppe (immerhin sehr lecker) und einen Kaffee.
Ich hatte mir die 643 Km lange Strecke in vier Abschnitte eingeteilt: 100 Km am ersten Abend, je 200 + x für die Tage zwei und drei und dann noch mal 100 + Rest für den vierten Tag.
Schon mit der Entscheidung am Maifeuer zu bleiben, war klar, dass ich würde umplanen müssen. Aber mit den Verzögerungen am dritten Tag zeichnete sich ab, das der vierte und letzte Tag richtig hart werden würde.
Wir verbrachten die Nacht in einem fast rundum geschlossenen Buswartehäuschen, dass uns vieren Ausreichend Platz bot und waren so sehr gut vor dem Wind geschützt.
Überhaupt, der Wind, die Geißel der Radfahrer. Der drehte nämlich im Laufe des 2 Tages in blies uns nun mit voller Kraft ins Gesicht. Volles Programm. So mit treten müssen, um abwärts nicht an Geschwindigkeit zu verlieren. Der totale Irrsinn und wahnsinnig zermürbend.
Ab dem Hainich war eigentlich kein entspanntes voran kommen mehr möglich. Entweder ging es Bergauf oder gegen den Wind …puh!
Etwa 150 Km war ich dann platt. 100 Km hatten wir bereits geschafft. Aber ich konnte, ohne eine Pause einfach nicht mehr weiter. So traf ich die Entscheidung, meine drei Gefährten ziehen zu lassen, und mich in  einem windgeschützten Jägerstand zu verkriechen. Bernd, Justus und Josch waren in dieser Situation offensichtlich leistungsfähiger und ich wollte sie nicht aufhalten (und mich selbst nicht verzocken), dennoch musste ich mein Vorhaben geradezu durchsetzen gen die drei. Sie wollten mich zunächst nicht zurück lassen, wo doch schon so weit als Team gekommen waren. Aber das wäre falsch gewesen und letztlich auch gegen den Selbstversorger-Kodex, wonach jeder aus sich gestellt und ohne fremde Hilfe fährt.
Nur eine halbe Stunde im Dämmerzustand und ich fühlte mich wieder halbwegs fit um weiter zu fahren. Ich wollte mein Ziel auf jeden Fall noch an diesem Tag erreichen!
Die nächsten Stunden flossen zäh dahin, wie ein Kaigummi in der Sonne. Ich hab abschnittsweise keine genauen Erinnerungen mehr … ich glaube, ich hab die meiste Zeit auf mein Garmin geglotzt und dabei zugeschaut, wie die verbleibende Strecke runtergezählt wurde.
Aber irgendwann ging es dann wieder ins Waldigere Gebiete und der Wind war nicht mehr so heftig. Die Sonne stand schon etwas tiefer in zauberte eine irre Lichtstimmung in eine Waldregion, die auch schon ohne diese Lightshow echt beeindruckend schön war.
Dann kam Potsdam. Und etwas, das ich aus dem Rhein-Main-Gebiet überhaupt nicht kenne: locker aufgeschütteter Sandiger Waldboden. Darauf war ich nicht vorbereitet und so wurden die letzten Kilometer noch mal zu einer richtigen Quälerei für mich.
Was in einer solchen Situationen hilft, ist zu wissen, alles was passiert ist gut. Alles was passiert, ist eine Chance, etwas über dich selbst zu lernen. Liebe den Regen wenn er fällt, liebe den Anstieg den du hochschieben musst und liebe die Abfahrt, die so Steil ist, das du runter schieben musst. Und überlege Dir was von den Dingen, auf die du Einfluss hast, du beim nächsten mal anders oder besser machen kannst. Das ist mein Mantra in solchen Momenten
Nach drei Tagen und fünf Stunden stand ich Schließlich vor dem Hotel „Golden Tulip“ in der Nähe des Ku’damm’s wo jeder Fahrer sein Carepaket abgeben sollte. Ich glaube nicht, dass der Nachtportier wusste, welches Treiben er da zu protokollieren hatte und ich war zu platt um die Übergabe fotografisch in Szene zu setzen (sorry Gunnar). Für mehr als ein paar Schnappschüsse vom Carepaket, auf dem Tresen der Rezeption, war keine Energie mehr vorhanden.
Wie es der Zufall wollte – ich hatte ich mir schon lange im Voraus ein preisgünstiges Hotelzimmer reserviert – musste ich jetzt nur noch zwei Querstraßen weit Fahren um in den Genuss der besten warmen Dusche seit langem zu kommen. Oh war das geil!
Bevor ich am nächsten Vormittag die Heimreise antreten konnte, musste ich aber auf jeden Fall noch den Rest der Strecke inklusive der Runde über das Tempelhofer Flugfeld absolvieren. Das war natürlich Ehrensache!
Fazit:
  • Mein Hintern: Raw Meat
  • Meine Jahreskilometerleistung: annähernd verdoppelt
  • Habe ich etwas falsch gemacht? Nein.
  • Kann ich etwas besser machen beim nächsten mal? Ja bestimmt, es gibt immer was zu verbessern.
  • Fahr ich den Candy nochmal? Ja …- … aber vielleicht erst nächstes Jahr

Kay T.“

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