Von kleinen Kalorienbomben und ihrem Piloten

Das mit den Vorbildern ist von jeher so eine Sache. Meist wird entweder der(oder die) eine überhöht oder der andere heruntergespielt. Die Sache geht also nicht immer gut aus. Deshalb sollte man sich seine Vorbilder sorgsam auswählen. Und dann sind da ja noch diverse Korrektive, die manches Vorbild urplötzlich vom Sockel stoßen oder  – von der Boulevardpresse noch genüßlicher zelebriert – ein Vorbild/Idol demontiert sich durch sein Verhalten selbst. Kurz: Mit Vorbildern ist vorsichtig umzugehen.

Dass früher nicht alles besser war, lehrt der Blick ins Geschichtsbuch. Und doch finden sich dort die meisten geeigneten Vorbilder. Ist ja auch in der Natur der Sache. Man kann ja noch gar nicht absehen, ob das Nachbarsmädchen oder der Junge von gegenüber die Welt derart ins Bessere verändern wird, als dass sie oder er sich als Vorbild gut machen. Und umgekehrt besteht das Risiko ja auch: Vielleicht hat der kleine Adolf im Sandkasten seine Förmchen ganz selbstlos mit kleinen Nicht-Ariern geteilt …

Zurück zum Candy: Die Geschichte des Candy B. Graveller hat 1948 während der Berliner Luftbrücke ihren Anfang genommen, als Gail Seymour „Hal“ Halvorsen der erste Pilot war, „der vor der Landung auf dem im US-Sektor Berlins befindlichen Flughafen Tempelhof für die dort neugierig auf kleinen Trümmerbergen auf der Neuköllner Seite wartenden Kinder an kleinen Fallschirmen befestigte Süßigkeiten abwarf. Diese Aktionen („Operation Little Vittles“ – Operation Kleiner Proviant) brachten den an der Luftbrücke beteiligten Piloten und Flugzeugen den Namen „Rosinenbomber“ (in den USA „Candy Bomber“) ein.“ wie es auf Wikipedia heißt. Welch Zeichen der Menschlichkeit waren die Schoko-Fallschirme von Hal! Kleine Kalorienbomben wo wenige Jahre zuvor noch Flächenbombardements im Formationsflug Tod und Unheil brachten! Nicht selten von den gleichen Piloten …

Dem ist erst einmal nichts hinzuzufügen. Und dann verlangt das doch nach erheblichen zeitgeschichtlichen und gegenwartspolitischen Ergänzungen. In Zeiten, in denen Demonstranten „Absaufen“ skandieren oder Verkehrsteilnehmer sich über den Tod anderer freuen und Hilfskräfte tätlich angehen, in diesen Zeiten scheint Menschlichkeit auf Diät gesetzt zu sein … da hilft statt Klagen vor allem das Tun.

Für uns ein guter Grund, selbst ein zu spenden, aufs Rad zu steigen, den Flugkorridor entlang zu fahren und ein kleines Care-Paket (via der Arche) zu den Kindern Berlins zu bringen.

Wir nutzen die Gelegenheit, uns bei allen Candy-Fahrern für ihre Spenden und ihre Care-Pakete zu bedanken! Und bei den anderen Helfer (Scouts usw.), die den Candy erst möglich machten. Und bei den Sponsoren, die wir bei jeder passenden (und mancher unpassenden Gelegenheit) gerne ins Gespräche bringen… siehe unten rechts!).

Aber unser größter Dank geht an Hal, DEN ersten Candy-Piloten!

Beim Start des diesjährigen Candy unterschrieben alle CBG-Piloten einen Gruß an Hal. Nun sind wir stolz, berichten zu können, dass dieser Gruß endlich bei Hal eingetroffen ist, wie dieses Foto, das uns vor einigen Tagen per Mail erreichte, zeigt. Es ist uns eine große Ehre!

 

1 Comment

  1. thomas Donnerstag, der 16. August 2018 at 19:18

    Danke für die durchdacht zum Ausdruck gebrachte Kommentierung dieser einzigartigen humanistischen Handlung von Gail Halvorsen und Eurem Engagement. Wenn Menschen respektvoll in Augenhöhe miteinander sprechen und handeln statt urteilend übereinander reden, dann ist Fülle statt Diät an Menschlichkeit. Euch weiterhin alles Gute und viel Freude im Engagement für Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft als in der Mitte stehen.

    Gruß und im o.g. Geist verbunden
    Thomas

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